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    Wenn im Alter die Psyche aus dem Lot gerät: Gerontopsychiatrisches Zentrum mit Memory-Klinik am Klinikum Kassel

    Kassel. Am Klinikum Kassel ist ein umfassendes Gerontopsychiatrisches Zentrum entstanden. Dort sind unter einem Dach alle Bereiche vereint, die ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln – gerontopsychiatrische Ambulanz, Tagesklinik und Station. So kann jedem Patienten die am besten geeignete Therapie zuteil werden und die Angebote sind optimal vernetzt.

    Bisher befanden sich auf dem Gelände des Klinikum Kassel bereits die gerontopsychiatrische Tagesklinik und Ambulanz. Die stationären Patientinnen und Patienten wurden im Ludwig-Noll-Krankenhaus versorgt, der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Klinikum Kassel. Im April sind diese drei Bereiche in das Haus 5 auf dem Klinikum-Gelände in der Mönchebergstraße gezogen (ehemals Frauenklinik). Mit der Zusammenführung am Klinikum sowie 20 zusätzlichen Betten für die Gerontopsychiatrie werde eine Versorgungslücke in Kassel geschlossen, betonte der Geschäftsführer des Klinikum Kassel, Dr. Gerhard M. Sontheimer, zugleich Vorstandsvorsitzender der Gesundheit Nordhessen. Der große Bedarf zeige sich unter anderem daran, dass die Station bereits kurz nach Inbetriebnahme am neuen Standort ausgelastet gewesen sei.

    Im Gerontopsychiatrischen Zentrum werden Patientinnen und Patienten ab etwa 60 Jahren mit einer psychischen Erkrankung betreut. Die meisten von ihnen leiden an einer Demenz oder Depression, es werden aber alle psychiatrischen Krankheiten diagnostiziert und therapiert, sagt Prof. Dr. Martin Ohlmeier, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Für die Patienten des Zentrums sei eine ambulante, tagesklinische oder stationäre Behandlung möglich, ein Wechsel zwischen den Behandlungsformen unproblematisch. „Da wir alles unter einem Dach anbieten, haben wir sehr gute Chancen, die passende Therapie für unsere Patienten zu finden.“

    Als optimal bezeichnet Prof. Ohlmeier auch die unmittelbare Nähe zu den anderen Kliniken des Klinikum Kassel. Etliche Patienten wiesen neben der psychiatrischen Erkrankung zusätzlich eine körperliche Erkrankung auf und könnten bei Bedarf auf ganz kurzen Wegen zu entsprechenden Untersuchungen gebracht werden. Umgekehrt kann das Gerontopsychiatrische Zentrum auch Patienten aus den anderen Abteilungen des Klinikums übernehmen, wenn eine psychiatrische Erkrankung vorliegt.

    Verschiedene Berufsgruppen arbeiten im Gerontopsychiatrischen Zentrum eng zusammen bei Diagnostik, Therapie und Beratung. Speziell ausgebildete Ärzte, Psychologen und Pflegekräfte, Sozialarbeiter, Ergotherapeuten und Physiotherapeuten machen den Patienten einzel- und gruppentherapeutische Angebote. Diese umfassen unter anderem Psychotherapie, Bewegungstherapie, Ergotherapie und Gesprächsgruppen. Auf der Station und in der Tagesklinik werden auch gemeinsame Aktivitäten wie Kochen in den Tagesablauf integriert.

    An den Aufenthalt auf der Station kann sich bei Bedarf eine Weiterbehandlung in der Tagesklinik, der Ambulanz oder bei einem niedergelassenen Arzt anschließen. In die Tagesklinik mit elf Plätzen kommen die Patienten jeweils vom Morgen bis zum Nachmittag. Abends kehren sie nach Hause zurück, damit ihre Eigenständigkeit erhalten bleibt. „Sie bleiben also in ihrem vertrauten Umfeld, erhalten aber trotzdem das maximale Therapieangebot“, so Peter Fellmann, Oberarzt im Gerontopsychiatrischen Zentrum.

    Schwerpunkt in der Ambulanz, der so genannten Gedächtnissprechstunde, ist die oft komplexe Diagnostik bei Demenz. In der Ambulanz wird geklärt, ob Gedächtnisprobleme dem Alter entsprechend normal sind oder auf eine Demenzerkrankung hinweisen. Prof. Ohlmeier: „Demenz ist zudem nicht gleich Demenz. Manchmal stellt sich eine vermeintliche dementielle Entwicklung in Wirklichkeit als Depression heraus.“ Nach einer sorgfältigen Diagnose erstellen die Fachleute individuelle Therapie- und Beratungspläne. „Für Menschen mit einer Demenzerkrankung können wir durch das Zusammenspiel von Ambulanz, Tagesklinik und Station jetzt auch in Nordhessen eine ,Memory-Klinik‘ anbieten“, freut sich Prof. Ohlmeier.

    Information: Ambulanz Tel. 0561-980-2213
    Anmeldung Station Tel. 0561-980-17499

    Die Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH) ist ein Dienstleistungsverbund für die ambulante und stationäre Krankenversorgung sowie die Seniorenbetreuung. Mit fünf Krankenhäusern bietet die Holding nahezu das gesamte medizinische Leistungsspektrum und versorgt jährlich über 68 000 stationäre Patientinnen und Patienten. Zentrale Einheit ist das Klinikum Kassel als größtes kommunales Krankenhaus Hessens, außerdem gehören zur Holding die Kreiskliniken Kassel mit Standorten in Bad Karlshafen-Helmarshausen, Hofgeismar und Wolfhagen sowie das Krankenhaus Bad Arolsen. Das Angebotsspektrum wird durch zwei Reha-Zentren sowie durch die Seniorenwohnanlagen mit ambulantem Pflegedienst ergänzt. Mit über 4800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und rund 370 Ausbildungsplätzen gehört die GNH zu den großen Arbeitgebern und Ausbildungsbetrieben der Region.

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