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    Ist eine zusätzliche Einnahme des Spurenelementes Selen in der Diabetes-Therapie notwendig?

    Wissenschaftler aus den USA erforschen einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme des Spurenelementes und Diabetes mellitus.

    Selen ist ein essenzielles Spurenelement und spielt eine wichtige Rolle in zahlreichen Stoffwechselvorgängen und in der Immunabwehr. Selen darf allerdings nicht in hohen Dosen eingenommen werden, da es bei zu hoher Aufnahme Vergiftungserscheinungen auslöst. Bei einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Ernährung sind Mangelerscheinungen nicht zu befürchten. Das Spurenelement Selen ist beispielsweise in Nüssen, Fleisch und Fisch enthalten.

    Seit einigen Jahren versuchen Forscher herauszufinden, ob es einen definitiven Zusammenhang zwischen der Aufnahme des Spurenelementes Selen einerseits und Diabetes andererseits gibt. Bisherige Untersuchungen kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Dem Spurenelement Selen wird eine antioxidative und zellschützende Wirkung zugeschrieben und in Experimenten konnte ein insulinähnlicher und antidiabetischer Effekt gezeigt werden. Das würde bedeuten, dass Selen möglicherweise eine protektive Wirkung für die Entwicklung eines Diabetes mellitus haben kann.

    Von dieser Annahme gingen auch die Forscher der Johns Hopkins University in Baltimore aus, als sie einen Zusammenhang zwischen dem Spurenelement Selen und Diabetes erneut untersuchten. Sie testeten ihre Hypothese mit einer Querschnittsanalyse der Umfrage- und Untersuchungsergebnisse von über 8.800 erwachsenen Teilnehmern des dritten amerikanischen Gesundheits- und Ernährungssurveys (Third National Health and Nutrition Examination Survey). Das Ergebnis war überraschend: Nach Korrektur der Faktoren Alter, Rasse, Geschlecht und Gewicht (Body Mass Index) hatten Personen mit Diabetes einen geringfügig höheren Selenspiegel als Personen ohne Diabetes. Diabetes wurde definiert durch eine Nüchternblutglukose von 126 mg/dl oder darüber, eine vorausgegangene ärztliche Diagnosestellung oder die Einnahme von oralen Antibiotika bzw. Gabe von Insulin.

    Wenn man alle untersuchten Personen je nach den im Blut gemessenen Selenwerten in 5 Gruppen (Quintilen) einteilt und die Diabeteshäufigkeit vergleicht, ergibt sich folgendes Bild:

    In der Quintile mit den höchsten Selenwerten hatten signifikant mehr Personen Diabetes als in der Gruppe mit den niedrigsten Werten (erhöht um den Faktor 1,57). Beim Blick auf die mittleren Quintilen zeigt sich allerdings, dass der Zusammenhang zwischen Höhe des Selenwertes und Diabeteshäufigkeit nicht gradlinig ist. Es lässt sich nicht einmal ein bestimmter Trend erkennen.

    Die Forscher ziehen die Schlussfolgerung, dass es in einer Bevölkerung mit generell adäquater Selenaufnahme, wie es in den USA der Fall ist, keinen gradlinigen Zusammenhang zwischen Selenspiegel und Diabeteshäufigkeit gibt. Obwohl Personen mit Diabetes in dieser Studie einen geringfügig höheren Selenspiegel hatten, kann man daraus nicht schließen, dass ein ursächlicher Zusammenhang besteht. (Quelle: Bleys J, Navas-Acien A, Guallar E. Serum Selenium and Diabetes in U.S. Adults. Diabetes Care, 30:829-834)

    Erkenntnisse über einen kausalen Zusammenhang wird man nur durch prospektive Studien gewinnen können. Derartige Studien werden bereits durchgeführt, sind aber noch nicht abgeschlossen und ausgewertet.

    Fazit

    Da ein Nutzen derzeit nicht bewiesen ist und Selen in hohen Dosen toxisch wirkt, kann eine zusätzliche Einnahme zur Diabetesprävention in einer Bevölkerung mit allgemein adäquater Selenaufnahme nicht empfohlen werden. „Ebenso sollten Patienten mit Diabetes zusätzliche Selen-Supplementierungen vermeiden, solange ein wirklicher Nutzen nicht wissenschaftlich belegt ist“, so Dr. med. Heinz Nagel, vom Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung in Düsseldorf.

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    apimanu MedJournal
    Dr. T. Kuehn
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