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    Intensive Debatte über das Sterben in Würde – Bundes- und Landesärztekammern sind zum „intensiven“ Nachdenken aufgefordert

    Bei der von der DGHS veranstalteten Podiumsdiskussion am 2. November 2011 in Berlin mit dem Titel „Wer hilft uns Würde im Sterben zu wahren? - Ärzte im Spagat zwischen Gewissensfreiheit und Berufsordnung“ schlugen die Emotionen in der Tat teils sehr hoch und dies war auch angesichts des sensiblen, weil insbesondere im wahrsten Sinne des Wortes existentiellen Themas nicht sonderlich überraschend, sondern vielmehr geradezu erwartet worden.

    Die Debatte wäre sicherlich noch ein Stück weit hitziger geführt worden, wenn Vertreter der BÄK resp. der Landesärztekammern sich hätten dazu entschließen können, entweder an der Podiumsdiskussion teilzunehmen resp. die VA zu besuchen, da auch die Besucher die Möglichkeit hatten, sich mit kurzen Statements in die Debatte einzubringen.

    Freilich, die angesetzten 90 Minuten sind beileibe für ein Thema, auf dem eine mehr als 2500-jährige Philosophiengeschichte lastet, nicht ausreichend, um auch nur annäherungsweise die mit dem frei verantwortlichen Sterben verbundenen Fragen thematisieren zu können. Indes scheint aber auch eine stundenlange Debatte nicht erforderlich zu sein, da in jedem Falle die unmittelbar betroffenen Bürgerinnen und Bürger ihr Selbstbestimmungsrecht gewahrt wissen möchten und zwar ungeachtet der Tatsache, ob diese denn in letzter Konsequenz auch von der Möglichkeit der Suizidbeihilfe Gebrauch machen würden.

    Hier drängt sich immer mehr die Frage auf, welchen Beitrag die Ethik zur Klärung einer bioethischer Kontroverse um den selbstbestimmten und frei verantwortlichen Tod zu leisten imstande ist, wenn doch hierüber mehr oder minder seit Jahrtausenden leidenschaftlich diskutiert wird?

    Die Bundesärztekammer hat dieser Debatte aus arztethischer Perspektive jedenfalls ein Ende bereitet. Den Ärztinnen und Ärzten soll künftig die ärztliche Suizidassistenz berufsrechtlich verboten werden und es bleibt abzuwarten, ob die Landesärztekammern dem Vorschlag der Delegierten des Deutschen Ärztetages folgen werden.

    Dass hierbei mehr als ein Drittel der bundesdeutschen Ärzteschaft mit einem „ethischen Zwangsdiktat“ überzogen wird, muss angesichts fundamentaler Wertentscheidungen in unserer Rechtsordnung nicht nur zu Irritationen führen, sondern vielmehr einen ethischen Ungehorsam heraufbeschwören: Den Ärztinnen und Ärzten wird qua Berufsrecht eine Gewissensentscheidung vorgegeben, die diese letztlich nach Außen hin „zur Schau zu tragen haben“, obgleich diese eine andere individuelle Gewissensentscheidung für verbindlich erachten.

    Das ärztliche Berufsrecht stürzt so mindestens ein Drittel der verfassten deutschen Ärzteschaft in tiefe innere Gewissenskonflikte und dies scheint mir persönlich der eigentliche Skandal zu sein.
    Ärztefunktionäre maßen sich an, ihrer Kollegenschaft eine arztethische Entscheidung vorgeben zu können und hier offenbart sich denn auch eine „Selbstherrlichkeit“, die unerträglich ist.

    Ein fragwürdiges „Arztethos“ mit seinen einschneidenden Konsequenzen für die Arzt-Patienten-Beziehung berufsrechtlich absichern zu wollen, lässt auf einen ethischen Überzeugungswillen der Ärztefunktionäre, aber auch der Mehrheit der Delegierten auf dem letzten deutschen Ärztetag schließen, der furchtbarer nicht sein kann: Ganz offen wird das individuelle Grundrecht auch der ärztlichen Gewissensfreiheit zu Grabe getragen, bevor überhaupt die Patientinnen und Patienten die Möglichkeit haben, mit den Ärztinnen und Ärzten ihres Vertrauens die Problematik eines frei verantwortlichen Suizids erörtern zu können.

    Was also ist die gebotene Konsequenz? Der Gesetzgeber muss handeln und die Grenzen der ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften neu ausloten! Auch Ärztinnen und Ärzte sind Grundrechtsträger und es darf nicht sein, dass eine Standesorganisation über Gebühr diese Grundrechte ihrer eigenen Berufskolleginnen und Kollegen zu „Grabe“ tragen.

    Die freie Ärzteschaft darf nicht zum „Spielball“ der Gewissensentscheidungen weder der Ärztefunktionäre noch der Delegierten werden und so gesehen hat sich die BÄK mit ihrem Verbot der ärztlichen Suizidbegleitung ein Zeugnis ausgestellt, dass vernichtender nicht sein kann: Ein arztethisches Zwangsdiktat der auf Zeit gewählten Funktionäre „bricht“ die individuelle arztethische Entscheidung und da fragt man/frau sich in einer stillen Stunde, wie es den Ärztinnen und Ärzten ergehen muss, wenn sie angehalten werden, entgegen ihrer eigenen Gewissensentscheidungen ihre Patientinnen und Patienten am Ende eines sich neigenden Lebens alleine zu lassen, obgleich diese einen nachvollziehbaren und zu akzeptierenden Wunsch nach einem freien und selbstbestimmten Sterben äußern?

    Nun – ich persönlich denke, dass der „Selbstherrlichkeit“ insbesondere der Ärztefunktionäre hier Schranken zu ziehen sind und diese sich unmittelbar aus der Verfassung selbst ergeben. Hierüber kann ein „Mehrheitsbeschluss“ nicht hinwegtäuschen, zumal der Konsens darin zu erblicken ist, dass ein Konsens gerade nicht erforderlich ist! Individuelles Sterben erfordert eine individuelle Betrachtung aus der Innenperspektive des Schwersterkrankten, der hoffentlich auf eine Ärztin und Arzt trifft, die eine individuelle Gewissensentscheidung angesichts des Einzelfalls zu treffen in der Lage sind und diese Entscheidung letztlich auch selbst treffen wollen und müssen.

    Weder der Präsident der BÄK noch irgendwelche Delegierten können hier ihre Kollegen die Entscheidung abnehmen und da dies aber erkennbar über das ärztliche Berufsrecht gewollt ist, kann auf eine Gesinnung der Verantwortlichen geschlossen werden, die auf das Schärfste zu kritisieren ist.
    Weder in den Ethikräten noch in den einschlägigen Gremien der Bundes- oder den Landesärztekammern benötigen wir „ethische Überzeugungstäter“, die da meinen, unmittelbar eine individuelle Gewissensentscheidung ersetzen zu wollen.

    Die praktizierende Ärztin oder der Arzt benötigen keine (!) Lehrbücher über den „guten Arzt“ und noch weniger ethische Anweisungen durch ihre gewählten Berufsfunktionäre, um im Dialog mit ihren (!) Patientinnen und Patienten eine zu akzeptierende Gewissensentscheidung treffen zu können.

    Die arztethische Grund- und Werthaltung der freien Ärzteschaft muss nicht durch ein ethisches Zwangsdiktat geläutert werden; allenfalls mag darüber nachgedacht werden, ob die Ärztefunktionäre nicht selbst der „ethischen Unterweisung“ bedürfen, in der ihnen insbesondere der hohe Stellenwert der individuellen Gewissensentscheidung nahe gebracht werden kann.

    Das erst kürzlich auf dem 114. Deutschen Ärztetag verabschiedete „ethische Zwangsdiktat“ mit Blick auf die nunmehr verbotene ärztliche Suizidbegleitung darf nicht (!) Eingang in das ärztliche Berufsrecht finden und es darf hier der Hoffnung Ausdruck verliehen werden, dass die verantwortlichen Funktionäre sich eines Besseren belehren lassen, bevor ihnen ein „staatliches Obergericht“ attestiert, in Grundrechte ihrer (Zwangs-)Mitglieder über Gebühr eingegriffen zu haben!

    Lutz Barth

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    IQB – Medizin- &. Pflegerecht - Lutz Barth
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