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Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI): 1,4 Mio Euro für ein EU-Teilprojekt zur verbesserten Behandlung der Schizophrenie
Die Europäische Union (EU) fördert mit insgesamt 11,18 Millionen Euro eine internationale Netzwerkforschung zur Verbesserung der Behandlung der Schizophrenie. Unter dem Titel OPTiMiSE (Optimization of Treatment and Management of Schizophrenia in Europe) haben sich das University Medical Center Utrecht (Utrecht, NL) als Koordinator gemeinsamt mit dem King`s College London (GB), dem Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (INSERM) (Paris, F), der Universität von Manchester (GB), dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (Mannheim, D) und dem Klinikum rechts der Isar (München, D) sowie 12 weiteren europäische Institutionen zu einem Forschungskonsortium zusammen gefunden. Das Teilprojekt am ZI wird mit 1,4 Millionen Euro gefördert.
Die Schizophrenie und andere verwandte psychotische Störungen zählen zu den psychischen Krankheiten mit größtem Leidensdruck und größter Beeinträchtigung des Lebens der Betroffenen. Schätzungsweise zwei bis drei Prozent der Jugendlichen und jungen Menschen erkranken an psychotischen Störungen. Oft folgt eine lebenslange Behandlung, die bedauerlicherweise mit schweren Nebenwirkungen verbunden sein kann.
Ursache und Behandlung der Schizophrenie und psychotischer Störungen stellen die Forscher noch immer vor eine große Herausforderung. Ein Grund dafür sind die komplexen Symptome, die Gefühlswelt, Denken, Wahrnehmung und Willensfreiheit betreffen und nicht nur zwischen den Erkrankten variieren, sondern sich auch bei einem Betroffenen über die Zeit verändern können. Erschwerend kommt bei der Behandlung hinzu, dass den Betroffenen oft die Einsicht der eigenen Erkrankung fehlt und sie sich aufgrund dessen von Ärzten und dem Gesundheitssystem bedroht fühlen. Das Gefühl nicht krank zu sein, ist einer der Gründe für die mangelnde oder im schlimmsten Fall fehlende Mitwirkung bei der Therapie. Drittens ist die Diagnose einer Schizophrenie auch heute noch mit einer hohen Stigmatisierung durch die Gesellschaft verbunden. Eine Sichtweise, die auch dazu führt, dass die Bereitstellung finanzieller Ressourcen zur Erforschung der Krankheit keine hohe Priorität besitzt. Und das trotz der Tatsache, dass ein großer Anteil junger Menschen an Schizophrenie erkrankt, die teilweise lebenslange Behandlung benötigen.
Aufgrund der schwierigen Bedingungen bei der Therapie der Schizophrenie liegt ein Schwerpunkt der Forschung in der Entwicklung von Medikamenten mit geringeren Nebenwirkungen. Die letzte Dekade hat in dieser Forschungsrichtung einige signifikante Fortschritte gebracht, die dazu geführt haben, dass Wissenschaftler in der EU zum ersten Mal eine großangelegte Strategie der Kooperation ausarbeiten konnten. Mit Hilfe des 7. Rahmenprogramms der EU konnten zwei Kooperationsprojekte gestartet werden, die sich mit einem Gesamtfördervolumen von 24 Millionen Euro der Erforschung der Ursachen und der Behandlung der Schizophrenie und verwandter psychotischer Störungen widmen.
OPTiMiSE, als eines der zwei Großprojekte, beschäftigt sich allein mit der Therapie der Schizophrenie und hat zwei Ziele: Die Verbesserung der aktuellen Therapie und die Erforschung neuer therapeutischer Ansätze in der Behandlung. Am Ende der Laufzeit wird eine direkte Umsetzung der Ergebnisse in Behandlungsrichtlinien und die Identifizierung potentieller Wirkmechanismen für die Entwicklung neuer Medikamente erwartet. Um diese Ziele in der sechsjährigen Laufzeit erreichen zu können, wurde ein europäisches Expertenteam zusammengestellt, wie es weltweit kein zweites gibt.
Auf methodischer Ebene wird die Magnetresonanztomographie eingesetzt, um die Reaktion auf Behandlungsansätze besser vorhersagen zu können und damit die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Kombiniert wird dieser methodische Ansatz mit der Untersuchung von sogenannten Biomarkern, Blutwerten, die das Ansprechen auf die Behandlung anzeigen können, und der Pharmakogenetik, die die Suche nach genetischen Markern für die Verursachung psychischer Erkrankung mit der Identifizierung von genetischen Markern für die individuelle Ansprechbarkeit auf Medikamente.
Im Mittelpunkt der medikamentösen Weiterentwicklung steht das Cannabidiol – ein Modulator im Endocannabinoid-System. Das Endocannabinoid-System, an dem auch Bestandteile der Cannabispflanze ihre Wirkung entfalten, umfasst Cannabinoid-Rezeptoren und ihre natürlichen Botenstoffe. Sie finden sich in der Zellmembran (Hülle der Zellen) verschiedener Zelltypen, wobei sich die Cannabinoid-1-Rezeptoren vor allem auf Nervenzellen im Gehirn und Rückenmark finden. Der Leiter der europäischen Klinischen Prüfung, Professor Leweke vom ZI, meint dazu: „Während der Gebrauch von Cannabis Symptome einer Psychose auslösen kann, stellt das Cannabidiol wahrscheinlich einen sehr gut verträglichen Gegenspieler solcher Symptome da, der über einen gänzlich neuen Wirkansatz verfügt. Als Substanz, die ursprünglich in der Cannabispflanze zu finden ist, ist es in seiner Reinform eine sehr gut verträgliche Substanz zur Therapie schizophrener Psychosen. Allerdings darf man dies nicht mit dem Einsatz von Cannabispräparaten - die verschiedene Cannabinoide enthalten - verwechseln, wie er gerade bei anderen Erkrankungen diskutiert wird. Diese Präparate verstärken bei schizophrenen Patienten in der Regel eher die Symptomatik und verschlechtern den Verlauf der Erkrankung.“
Pressekontakt:
Professor Dr. F. Markus Leweke
Leiter des Exzellenzzentrums für
Psychiatrie und Psychotherapieforschung
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit
J5, 68159 Mannheim
Tel.: 0621 / 1703-2322
E-Mail: trip@cimh.de



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