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    Selbstverdauung hilft Hirntumorzellen, eine Chemotherapie zu überleben

    Heidelberg - In der aktuellen Ausgabe des International Journal of Cancer berichten amerikanische Forscher, dass Zellen des Glioblastoms, eines bösartigen Hirntumors, sich durch Selbstverdauung (Autophagie) vor der Wirkung einer Chemotherapie schützen. Im Gegensatz dazu schreiben schwedische Wissenschaftler, dass die Autophagie den Tod von Tumorzellen anregt. Die neue Ausgabe des IJC erscheint am 01. März.

    Schwedische Forscher haben einen Mechanismus aufgeklärt, wie der Eiweißkomplex HAMLET (human alpha-lactalbumin made lethal to tumors) das Absterben von Tumorzellen stimuliert. Die Wissenschaftler der Universität Lund zeigten, dass der Eiweißkomplex die Autophagie in Krebszellen auslöst und damit zu ihrem Zelltod beiträgt. Bei der Autophagie (wörtlich "Selbstfressen") verdaut sich die Zelle zum Teil selbst und verwertet die freiwerdenden Bausteine wieder zum Aufbau neuer Zellstrukturen. Im Vergleich mit gesunden Zellen ist die Autophagie in Tumorzellen häufig gedrosselt, was das Überleben der Krebszellen begünstigt. Die Ergebnisse der schwedischen Forscher könnten die bislang ungeklärte Wirkungsweise von HAMLET erklären: Der Eiweißkomplex tötet Zellen verschiedener Tumorarten, ohne das gesunde Gewebe dabei zu schädigen.

    Im Widerspruch zu den schwedischen Ergebnissen stehen Resultate aus dem M.D. Anderson Cancer Center in Houston. Shingu und Kollegen berichten, dass die Autophagie den Zellen des Glioblastoms ermöglicht, eine Chemotherapie zu überleben. Eine Hemmung der Autophagie könnte die Tumorzellen für die Chemotherapie sensibilisieren, so die Wissenschaftler. Glioblastome (Gliome)sind bösartige und schwer zu behandelnde Hirntumoren, die aus den Stützzellen des Gehirns hervorgehen und häufig resistent gegenüber Chemotherapie sind. Die amerikanischen Forscher untersuchten die Wirkung des Krebsmedikaments Imatinib auf menschliche Gliomzellen. Sie verabreichten das Medikament entweder allein oder in Kombination mit verschiedenen Autophagie-hemmenden Substanzen. Es zeigte sich, dass die Hemmstoffe die Wirkung von Imatinib verstärkten. Entscheidend war dabei, dass die Autophagie im späten Stadium gehemmt wurde. Auf diese Weise waren die Krebszellen bereits so weit geschädigt, dass sie in den natürlichen Zelltod gingen. Der Wirkstoff Imatinib wird erfolgreich bei der Behandlung bestimmter Leukämien eingesetzt, er eignet sich jedoch nicht zur alleinigen Therapie von Glioblastomen.

    Aits et al. HAMLET (human alpha-lactalbumin made lethal to tumor cells) triggers autophagic tumor cell death. DOI: 10.1002/ijc.24076

    Shingu et al. Inhibition of autophagy at a late stage enhances imatinib-induced cytotoxicity in human malignant glioma cells. DOI: 10.1002/ijc.24030

    Weitere Artikel sind unter folgendem Link verfügbar: http://www3.interscience.wiley.com

    Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

    Sherryl Sundell
    Managing Editor
    International Journal of Cancer
    Deutsches Krebsforschungszentrum
    Im Neuenheimer Feld 242
    69120 Heidelberg
    Germany
    Tel.: +49 6221 424800
    Fax: +49 6221 424809
    E-Mail: intjcanc@dkfz.de

    Pressekontakt:

    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Deutsches Krebsforschungszentrum
    Im Neuenheimer Feld 280
    D-69120 Heidelberg
    T: +49 6221 42 2854
    F: +49 6221 42 2968
    http://www.dkfz.de

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