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Morbus Crohn: Gesunde Darmflora schützt vor Entzündungen
Eine gesunde Darmflora schützt vor entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Gerät die natürliche Gemeinschaft der Mikroorganismen im Darm aus dem Gleichgewicht, kann dies zu schweren Entzündungsreaktionen führen, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mit.
Amerikanische Wissenschaftler haben entdeckt, dass manche Darmbakterien in Mäusen eine schwere Entzündung des Darms hervorrufen, andere wiederum davor schützen (Nature 2008, 453: Seite 620). Demnach kommt es bei Mäusen ohne das Bakterium Bacteroides fragilis zu einer Entzündung, die einer chronischen Darmentzündung beim Menschen ähnelt. Das auch im menschlichen Darm vorkommende Bakterium produziert ein Zuckermolekül, das Polysaccharid A, welches das Immunsystem dämpft. Verabreichten die Forscher ihren Versuchstieren diesen Zucker, konnten sie den Ausbruch einer Darmentzündung verhindern.
„Die verschiedenen Mikroorganismen im Darm spielen auch beim Menschen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von entzündlichen Darmerkrankungen. Nehmen manche Arten auf Kosten anderer überhand, können Bakterien schädlich werden, die eigentlich gar keine Krankheitserreger sind", sagt Prof. Richard Raedsch vom BDI. So gerät die Darmflora bei Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen völlig aus dem Gleichgewicht und als Folge auch das Immunsystem. „Wenn wir verstehen, wie die „guten" Bakterien unseren Darm schützen, können wir vielleicht neue Behandlungsmöglichkeiten für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa entwickeln", so der Magen-/Darmspezialist.
Neue Medikamente aus der Darmflora?
Der menschliche Darm beherbergt etwa 100 Billionen Mikroorganismen aus insgesamt über 1.000 verschiedenen Arten. Ohne diese unzähligen Untermieter könnte der Mensch viele Nahrungsbestandteile schlechter oder gar nicht verdauen. Deshalb kann die Darmflora sogar den Erfolg von Diäten beeinflussen (Cell Host & Microbe 2008, 3: Seite 213). Die neuen Ergebnisse unterstreichen, dass sie darüber hinaus auch einen wichtigen Schutz vor Infektionen darstellt. „Wahrscheinlich produziert die Darmflora in jedem gesunden Darm laufend Wirkstoffe gegen Entzündungen - wir müssen diese potenziellen Wirkstoffe für künftige Behandlungen nur finden", sagt Prof. Raedsch.
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen werden in der Regel mit Medikamenten behandelt, die entzündungshemmend wirken oder die Immunantwort verringern. Auch Kulturen von Darmbakterien können in manchen Fällen eingesetzt werden. Bei einer Colitis ulcerosa wird beispielsweise das Probiotikum Escherichia coli Nissle zur Vermeidung neuer Krankheitsschübe empfohlen, wenn das Medikament Mesalazin nicht vertragen wird. Ob die Bakterienkulturen dagegen im aktiven Entzündungsstadium von Morbus Crohn und Colitis ulcerosa helfen, ist in der Fachwelt dagegen umstritten.



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