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Honorarabsturz: schlimmer als 2008 - Urologische Grundversorgung nicht mehr zu gewährleisten
Köln - Es ist eine der günstigsten Flatrates in Nordrhein-Westfalen – das Regelleistungsvolumen (RLV) für das dritte Quartal 2010 der Urologen Nordrheins. Für sieben Euro pro Monat sind nicht nur Gesprächsleistungen, Untersuchungen, Sonografien, kostenintensives Röntgen und personalintensive tagesklinische Betreuungen abgegolten, sondern auch eigentlich Kosten einsparende, Krankenhaus ersetzende Leistungen mit hohem organisatorischen Aufwand. Neben Nierensteinzertrümmerungen schließt die KV Nordrhein so beispielsweise auch technisch und organisatorisch aufwendige Gewebeprobeentnahmen aus der Prostata ins Honorarbudget ein.
Ausgelöst hat die Mitteilung der KV Nordrhein bei den Urologen blankes Entsetzen und Ratlosigkeit, wie der ärztliche Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein, die etwa 90 Prozent aller nordrheinischen Urologen vertritt, Dr. Wolfgang Rulf betont: „Wie die Vergleichsdaten der KV Nordrhein zeigen, liegt das urologische Honorarvolumen deutlich unter dem des Krisenjahrs 2008. Also dramatisch unter dem Volumen, in dem laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ein erheblicher Prozentsatz der ärztlichen Leistungen unvergütet blieb und das den Gesetzgeber zur Milliardenaufstockung des ärztlichen Honorars bewogen hat.“ Eine Aufstockung, von der bei den Urologen schon 2008 nichts angekommen sei.
„Die jetzt eintretenden erheblichen Verluste werden wir jedoch nicht hinnehmen“, erklärt Dr. Rulf. „Eine Sicherstellung selbst urologischer Basisleistungen ist nur unter erheblichem Einsatz eigener Finanzmittel möglich.“ Finanzmittel, welche die Urologen zur Aufrechterhaltung der Versorgung ihrer Patienten grundsätzlich bereitstellen würden, die jedoch aufgrund der jahrelangen finanziellen Belastungen der Kassen-Facharztpraxen wenig Spielraum lassen. Folge: Lange Wartezeiten durch Personalabbau und Rationierung. Zudem würde es zwangsläufig zu einer massiven Rückverlagerung von ehemaligen Krankenhausleistungen und Notfällen in die stationäre Versorgung kommen. Dies verursacht den Kassen ein Vielfaches der Kosten, die zur Sicherstellung der ambulanten fachärztlich-urologischen Versorgung notwendig wären. „Eine skandalöse Verschwendung von Versichertenbeiträgen zu Lasten der Kranken“, meint Dr. Rulf, der nun Gespräche mit der KV Nordrhein führen wird.
Die KV Nordrhein signalisierte bereits Gesprächsbereitschaft und sieht ebenfalls Mängel in der Budgetierung. Problem: Gesetzliche Kassen seien nicht bereit, zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. „So entziehen sich die nordrheinischen Krankenkassen ihrer Verantwortung für eine finanzielle Sicherstellung der Versorgung ihrer Versicherten, obwohl sie die rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten dazu hätten. ‚Erst Verwaltung, dann Versorgung‘ scheint das Credo der Kassen zu sein“, so Dr. Rulf, der dennoch zuversichtlich in die Gespräche geht.
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