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    Früh mit Ergotherapie einsetzen: Entwicklung von Kindern mit Cerebralparese deutlich verbessern

    Als Cerebralparese bezeichnen Gesundheitsexperten die Folgen einer frühkindlichen Hirnschädigung, die meist zu motorischen Schwierigkeiten führt. Aber auch das Denken kann beeinträchtigt sein. Je nach Schweregrad ist eine Cerebralparese leicht oder – wenn die Schädigung sich wenig auswirkt – anfangs schwer festzustellen. „Die Mütter haben fast immer recht.“, ermutigt Andrea Espei Eltern, unbedingt ihrem Instinkt zu trauen, wenn sie bemerken, dass sich ihr Kind anders als erwartungsgemäß entwickelt. Die Ergotherapeutin des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) bestärkt auch Kinderärzte, im Zweifelsfall genauer zu schauen. Denn je früher eine Cerebralparese erkannt wird, desto besser sind die Aussichten, diesen Kindern beispielsweise durch Ergotherapie zur bestmöglichen Entwicklung zu verhelfen.

    Komplikationen vor, während oder nach der Geburt können der Grund für eine Cerebralparese sein. Dass es wie auch immer geartete Schwierigkeiten gab ist jedoch nicht immer eindeutig oder überhaupt zu erkennen. Auf ihre natürliche Wahrnehmung hingegen können sich Mütter in der Regel verlassen. Bemerken sie, dass sich die Bewegungen ihres Babys oder Kleinkindes von denen anderer unterscheiden, so ist es generell ratsam, dies mit dem Kinderarzt zu besprechen. Spastik oder Schlaffheit, Bewegungsasymmetrie ebenso wie sonderbare Bewegungen beziehungsweise eine verlangsamte Bewegungsentwicklung können Anzeichen einer Cerebralparese sein. „Da heißt es sofort handeln.“, sagt die Ergotherapeutin Espei und stellt klar, warum: „Hirnzellen erneuern sich nicht. Aber je früher wir mit der Ergotherapie beginnen, desto besser sind die Aussichten, dass andere Hirnzellen Funktionen zum Teil übernehmen und die Folgen der Cerebralparese vermindert werden können.“

    In der Ergotherapie: Impulse für den Lernprozess

    Die Ergotherapeutin behandelt in der Frühförderstelle, die sie leitet, vorwiegend Kinder mit einer Halbseitenlähmung (unilaterale Cerebralparese oder Hemiparese). An einem solchen Beispiel erklärt Andrea Espei, wie erfolgreich das Training der gesunden Hirnzellen verlaufen kann: „Kinder mit einer hemiparetischen Hand verwenden am liebsten die gesunde Hand. Die ist dann super fit und schnell. Die betroffene Hand hingegen wird auch dadurch langsamer und schwerer steuerbar weil sie sie vernachlässigen.“ Um die Neuroplastizität des Gehirns anzutriggern, fixiert sie in der ergotherapeutischen Behandlung die schnelle Hand und lässt die Kleinen mit der betroffenen Hand Tätigkeiten verrichten. Constrained Induced Movement Therapy (übersetzt: einschränkungsinduzierte Bewegungstherapie) nennt sich diese Methode. Die Resultate sind verblüffend und motivieren die Kinder immer wieder aufs Neue, die nicht-benutzte Hand überhaupt und immer besser einzusetzen. Das Glücksgefühl bei den Eltern, die bei der Ergotherapie anwesend sind, ist meist unbeschreiblich groß, wenn sie sehen, was sie nicht für möglich gehalten hätten: Ihr Kind führt mit der schwachen Hand Bewegungen aus, die vorher nicht vorstellbar waren. Diese Bewegungen sind kein Zufall, die neurophysiologischen Prozesse sind nachweisbar. MRT-Bilder zeigen, dass die Hirnareale nach der Therapie aktiver sind und dass neue Synapsen geschlossen wurden.

    Im ergotherapeutischen Konzept: Die Familiensituation beherzigen

    Doch ist die Arbeit an der Körperfunktion nur ein Teilbereich des ergotherapeutischen Spektrums. Grundsätzlich ist das Ziel in der Ergotherapie immer, den Alltag der behandelten Personen und deren Familien oder Bezugspersonen zu erleichtern. Daher ist ein ausführliches, aber sehr einfühlsames Befragen Schritt eins in der Ergotherapie. Es liegt an ihrem Geschick, herauszufinden, wo es am meisten „zwickt“. Mit viel Fingerspitzengefühl und einer ausgefeilten für die Ergotherapie typischen Fragetechnik gelingt es ihnen, aus dem Wust der im Alltag entstehenden Probleme gemeinsam mit den Eltern des Kindes diejenigen Punkte zu identifizieren, die im Moment die wichtigsten sind. Dabei berücksichtigen sie nicht nur die Vielzahl von Auswirkungen einer Cerebralparese oder generell von Erkrankungen. Sie gehen in die Tiefe individueller und familiärer Feinheiten und berücksichtigen die oft sehr unterschiedlichen Anforderungen in ihrem ergotherapeutischen Behandlungskonzept. So kann es durchaus sein, dass eine Familie damit zufrieden ist, dass das Kind mit Cerebralparese seine Bewegungen nur so lange in der Ergotherapie trainiert, bis es damit in einer für es selbst akzeptablen Weise zurechtkommt. Was bedeuten kann, dass es bei Tisch seine Mahlzeiten aus dem Teller „schlürft“. Eine andere Familie kann hingegen großen Wert darauf legen, dass das Kind trotz seiner Cerebralparese ihren Vorstellungen von Benimmformen nahekommt. Um für alle noch so unterschiedlichen Fälle und Situationen immer wieder praktikable Lösungen zu finden, entwickeln Ergotherapeuten Ideen und Strategien oder besorgen Hilfsmittel und verhelfen so den Familien zu einem erfreulicheren Alltag.

    Aus ergotherapeutischer Sicht: Allen Kindern gerecht werden

    Ebenso sind die Wünsche der im Lauf der Behandlung heranwachsenden Kinder selbst immer wieder zentrales Element der Ergotherapie. Und auch danach richten Ergotherapeuten ihre Behandlung aus. Sie ermöglichen etwa Kindergartenkindern mit Cerebralparese, die nicht weniger schlau sind als ihre Altersgenossen und beispielsweise durch die Cerebralparese verursachte Gleichgewichtsprobleme haben, beim Toilettengang selbstständig zu werden. Oder bei Spielen in der Gruppe einen ihrer Fähigkeiten entsprechenden Platz zu bekommen. Auch die Geschwister verlieren sie nicht aus dem Blick. „Die Geschwisterkinderproblematik wird vollkommen unterschätzt.“, ist sich die Ergotherapeutin Espei bewusst und verdeutlich den Zwiespalt der Eltern mit mehreren Kindern. „Ich weiß ihr unglaubliches Engagement für das Kind mit Cerebralparese sehr zu schätzen. Aber ich bitte sie auch immer darum, ihre Aufmerksamkeit möglichst gleichmäßig zu verteilen. Niemand muss ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Kind mit Behinderung haben. Es ist genau so wichtig, sich Zeit für die Geschwister zu nehmen und an deren Zukunft zu denken.“ Denn mit dem Blick auf ihre langjährige Erfahrung als Ergotherapeutin weiß sie, dass eine familiäre Schieflage – und dazu gehört auch das Fokussieren auf ein Kind – zu massiven Problemen bei den anderen Kindern führen kann. Diese Einstellung entspricht ganz und gar der ergotherapeutischen Philosophie: Über den Tellerrand schauen, am besten die Dinge in eine gute Richtung bringen, bevor es zu einem (gesundheitlichen) Schaden kommt und so gesamtwirtschaftlich betrachtet Kosten gar nicht erst verursachen.

    Informationsmaterial zum Thema Cerebralparese sowie zu den weiteren Behandlungsfeldern der Ergotherapie erhalten Interessierte bei den Ergotherapeuten vor Ort; diese sind über die Therapeutensuche im Navigationspunkt „Service“ des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) auf www.dve.info zu finden.

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