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    Ergotherapeutisches Coaching bei Autismus: Davon profitieren Kinder, Eltern und das Umfeld

    Immer öfter werden bei Kindern Autismus-Spektrum-Störungen (ASS), landläufig als Autismus bekannt, diagnostiziert. Das liegt vor allem daran, dass genauer hingeschaut wird und ist daher positiv zu sehen. Denn: „In der Konsequenz bedeutet das, dass Eltern, die selbst feststellen, dass ihr Kind ‚anders‘ ist, durch die Diagnose Klarheit erhalten und vor allem Hilfe. Zielgerichtete Hilfe, um den Alltag besser zu gestalten.“, macht Astrid Baumgarten, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) deutlich. Dank ergotherapeutischer Behandlungskonzepte lassen sich die vielfältigen Auswirkungen des Autismus auf das tägliche Miteinander abmildern, die Zukunft autistischer Kinder in erfolgversprechendere Bahnen lenken.

    Eltern rechnen grundsätzlich damit, dass ihr Kind gesund ist. Die Entwicklung des eigenen Kindes dennoch immer sehr genau zu beobachten ist ausgesprochen wichtig und nicht als Zeichen von Ängstlichkeit zu werten. „Bemerken Eltern bei ihren Kindern Auffälligkeiten, ist es nötig, dies abklären zu lassen und im Zweifelsfall auch beharrlich zu bleiben.“, bestärkt Astrid Baumgarten diejenigen, die mit ihren Beobachtungen vom Umfeld oder dem Kinderarzt vielleicht als hysterisch oder zu sehr auf das Kind fixiert abgewiegelt werden. Denn immer noch wird Autismus in der Regel zu spät diagnostiziert – trotz entsprechender Anhaltspunkte und Checklisten bei den Kindervorsorgeuntersuchungen, besser als U-Untersuchungen bekannt. Gerade bei autistischen Kindern lässt sich schon in ganz jungen Jahren sehr viel Positives bewirken. Eine frühzeitige ergotherapeutische Intervention versetzt autistische Kinder in die Lage im Alltag leichter zurechtzukommen. Und dadurch lässt sich ihr eigener Leidensdruck ebenso wie der ihrer Eltern extrem reduzieren.

    Erste Aufgabe in der Ergotherapie bei Autismus: Muster entschlüsseln

    Eine Studie belegt, dass etwa 90% aller autistischen Kinder Probleme in der Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen zeigen. „Diese Missempfindungen und Überempfindlichkeiten auszuloten und das Kind mit Autismus in seiner komplexen Wesensart kennenzulernen, ist eine meiner ersten Aufgaben.“, erläutert die Ergotherapeutin Baumgarten. Es ist eine klassische Vorgehensweise in der Ergotherapie, immer zuerst die Hintergründe, Ursachen und Zusammenhänge zu ermitteln, und darauf basierend ein passendes, individuelles Therapiekonzept zu erarbeiten. Dazu führen Ergotherapeuten ein ausführliches Anamnesegespräch, fragen bis ins kleinste Detail die bisherige Entwicklung und die vordringlichsten Alltagsprobleme ab. Ebenso spielen die Wünsche und Vorstellungen der Eltern eine maßgebliche Rolle bei den Zielsetzungen, die Ergotherapeuten gemeinsam mit ihnen erarbeiten. Dem folgt das genaue Beobachten in alltäglichen Situationen, auch im häuslichen Umfeld und je nach Alter des autistischen Kindes in der Schule oder im Kindergarten. Dies ist nötig, um die Zusammenhänge, die zu überschießenden Reaktionen autistischer Kinder führen, zu entschlüsseln und zu verstehen. Denn, so die Expertin, die wie ihre auf Autismus spezialisierten Kollegen entsprechende Fortbildungen absolviert hat: „Den Eltern ist meist rätselhaft, welche Faktoren bei ihrem Kind dazu führen, dass es eine vermeintlich akzeptierte Situation ein anderes Mal ablehnt oder ausflippt.“ Um diese Reaktionen auf bestimmte Sinnesreize zielführend zu behandeln, setzt sie die Sensorische Integrationstherapie ein. Und erreicht damit, dass die behandelten Kinder in vielen Fällen mit für sie zuvor unerträglichen Geräuschen, Konsistenzen, Gerüchen oder Berührungen sukzessive besser zurechtkommen.

    Typisch Ergotherapie: Eltern ebenso einbeziehen…

    Solche Erfolge sind nicht nur der Therapie am Kind zu verdanken. Ebenso maßgeblich ist die Beratung der Bezugspersonen und des Umfelds. Indem sie die Eltern autistischer Kinder bei jedem Schritt einbeziehen, versetzen Ergotherapeuten sie in die Lage, mit auftretenden Schwierigkeiten kompetent umzugehen. Sie befähigen sie, aus dem in der Ergotherapie gelernten eigene Ideen und Strategien zu entwickeln. Denn eines wird in der Ergotherapie auch klar: Das Kind mit Autismus kann nicht anders, aber die Eltern können lernen, anders mit ihm umzugehen. Damit und mit dem Wissen, wie das Kind „tickt“, gelingt es diesen Eltern, den Alltag souveräner zu erleben, mehr Normalität zuzulassen und mit ihrem Kind beispielsweise entspannte Familienmahlzeiten zu genießen oder zu ermöglichen, dass alle genügend Schlaf bekommen.

    …wie das Umfeld

    Auch außerhalb der Familie werden Ergotherapeuten aktiv, beraten das gesamte Umfeld also auch Erzieher und Pädagogen. Wer denkt, dies führe zu einer zusätzlichen Belastung für das Umfeld, irrt. Oft ist es die Geräuschkulisse, die das autistische Schulkind nicht erträgt. Und diese mithilfe ergotherapeutischer Strategien und pädagogischem Geschick zu regulieren, ist ohne Zweifel ein Vorteil auch für alle anderen Schüler und die Lehrer. Und weitere Aspekte wie Veränderungen von Strukturen, konkrete Regeln oder Ritualisierungsmaßnahmen tun auch den Kindern, die kein autistisches Problem haben, gut. So kann mit ergotherapeutischer Supervision die Inklusion eines autistischen Kindes sogar die Klassensituation in bestimmten Bereichen verbessern. Und vor allem dazu führen, dass ein Kind mit Autismus lieber in den Kindergarten oder in die Schule geht.

    Informationen zu den Behandlungsfeldern der Ergotherapie erhalten Interessierte bei den Ergotherapeuten vor Ort; diese sind über die Therapeutensuche im Navigationspunkt „Service“ des DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) auf www.dve.info zu finden.

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