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    Chronischer Botulismus beim Rind - Kritik zum Forschungsergebnis der TiHo

    AVA Pressemeldung vom 01.11.2014

    In einer zweijährigen Studie hat die Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht, ob chronischer Botulismus für vermehrt auftretende Krankheits- und Todesfälle von Rindern ursächlich in Frage kommen kann. Das Ergebnis hat eine kontroverse Diskussion in Gang gesetzt.

    Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover können in keiner Weise beweisen, dass es die Krankheit chronischer Botulismus nicht gibt.
    Wissenschaftler aus Berlin, Göttingen und Leipzig widersprechen dem Ergebnis dieser Studie und stellen die veröffentlichten Ergebnisse in Frage.
    Lesen Sie: Entgegnung zur Pressemitteilung "Chronischer Botulismus" vom 8.8.2014 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (http://www.bmel.de/DE/Tier/2_Tiergesundheit/Tierseuchen/_texte/Chronisch...

    Zitat: "Ein direkter und deutlicher Zusammenhang zwischen dem Auftreten von C. botulinum und einem chronischen Krankheitsgeschehen auf Milchviehbetrieben oder bei Tieren kann nicht bestätigt werden."

    unter Bezug auf die Studie zum chronischen Botulismus - Symposium am 12.09.2014 der Tierärztlichen Hochschule Hannover
    Zitat: "Wir konnten keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Clostridium botulinum und einem chronischen Krankheitsgeschehen auf Milchviehbetrieben oder bei einzelnen Tieren bestätigen. Das deutet daraufhin, dass C. botulinum nicht der wesentliche Hauptverursacher des chronischen Krankheitsgeschehen ist“ (Prof. Dr. M. Hoedemaker, Ph.D., Tierärztliche Hochschule Hannover)

    Zitat: "Die Untersuchungen der Kotproben ergaben in keinem Fall einen Hinweis auf Botulinum-Neurotoxin. Somit kann die Hypothese des „viszeralen“ oder „chronischen“ Botulismus nicht bestätigt werden" (Dr. C. Seyboldt,Friedrich-Löffler-Institut, Jena)
    Pressemeldung TiHo: …Als mögliche Ursache für die chronischen Herdengesundheitsprobleme konnten Faktoren in der Fütterung, in der Hygiene sowie im Kuhkomfort identifiziert werden. So waren die Kühe auf betroffenen Betrieben häufiger zu dünn, lahm und verschmutzt. Viele der betroffenen Milchviehbetriebe wiesen ebenfalls Mängel in der Energiedichte des Futters, der Grobfutterqualität und der Art und Beschaffenheit der Liegeboxen auf. Hier würden sich Möglichkeiten zeigen, um das chronische Krankheitsgeschehen in den Griff zu bekommen. (Sep. 2014)

    Zitat: "Die Untersuchung auf Neurotoxin bildende Clostridium spp.-Stämme ergab sowohl bei den Gärsubstratproben als auch Gärrestproben im Mausbioassay ausschließlich negative Befunde. Das heißt, die getesteten Biogasanlagen waren erfreulicherweise frei von Neurotoxin bildenden Cl. botulinum-Stämmen. Abschließend bleibt festzustellen, dass auch aus dieser Studie ein mikrobiologisches Risikopotenzial von Biogasanlagen nicht abzuleiten ist und dass sich auch keine Hinweise für die Anreicherung von potenziell pathogenen Keimen während des Fermentationsprozesses ergeben haben." Prof. Dr. G. Breves, (Tierärztliche Hochschule, Hannover)

    Bewertung der erzielten Untersuchungsergebnisse und wissenschaftliche Richtigstellungen

    Die Forschungsvorhaben 2810HS005 und 2810HS038 des BMEL sollten eine Fall-Kontrollstudie durchführen. Bei einem solchen Versuchsaufbau sind entsprechende statistische Anforderungen vorgegeben und einzuhalten.

    Die untersuchten 139 Betriebe wurden teilweise nach einem bestimmten subjektiven Merkmalsschlüssel ausgewählt. Betriebe mit Botulismus (Erkrankungen, Verdacht, Labornachweis und Impfung) wurden von der Untersuchung ausgeschlossen, obwohl Betriebe mit Clostridien-Mehrfachimpfung (ohne Clostridium botulinum) aufgenommen wurden. Etwa die Hälfte der Betriebe wurde in Schleswig-Holstein durch das dortige Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein nach anderen Kriterien ausgewählt undvorgeschlagen.

    Die Anzahl der Betriebe, die Auswahl der Betriebe und der einzelnen untersuchten Tiere entsprechen nicht den Anforderungen an eine Fall-Kontrollstudie.

    Obwohl es sich um ein chronisches Krankheitsgeschehen handelt, wurden die untersuchten Betriebe jeweils nur an einem einzigen Tag, verteilt über alle Jahreszeiten, besucht. Es wurden auch nur ein einziges Mal Proben genommen..
    In knapp 25 % der Betriebe wurden Botulinumtoxingene mittels unterschiedlicher molekularbiologischer Verfahren nachgewiesen. In keinem Betrieb wurde Botulinumtoxin in Kotproben gefunden.

    Ein negativer Mäusetest auf Botulinumtoxin sagt nur aus, dass der Test negativ, nicht aber dass kein Toxin vorhanden war. Bei chronischen Krankheitsgeschehen kann der Toxingehalt unter der Nachweisgrenze liegen.
    - Mit dem Ergebnis einer einzigen Probe kann nicht auf gegebenenfalls Monate zurück liegende auslösende Erkrankungsfaktoren geschlossen werden.

    Daraus aber verallgemeinernd zu schließen, und glauben zu machen, dass eine chronische Erkrankung von Rindern in den etwa 150000 deutschen Rinderbetrieben nicht auch durch C. botulinum hervorgerufen werden kann, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Auswahl und Zahl der untersuchten Betriebe, Tiere und Einzelproben sind statistisch nicht ausreichend um gesicherte Aussagen zu machen.

    Die daraus abgeleitete Behauptung, durch die durchgeführte Studie sei nunmehr erwiesen, dass es die Erkrankung "chronischer Botulismus bei Rindern" nicht gäbe, ist somit eindeutig falsch.
    Deshalb ist die Ablehnung von Anträgen zur Genehmigung einer spezifischen Impfung gegen Botulismus nicht gerechtfertigt. (Anmerkung: diese genehmigungspflichtige spezifische Impfung hat in der Vergangenheit bereits vielen betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben geholfen, das Krankheitsbild maßgeblich zu reduzieren und damit Tierleben zu retten. Da die Existenz eines chronischen Botulismus negiert wird, werden diese behördlichen Ausnahmegenehmigungen nicht mehr erteilt werden können. Folge in betroffenen Betrieben: Der Erkrankung kann nicht entgegengetreten werden; die Tiere leiden, können verenden, evtl. auch über Schlachtung betroffener Tier zum Eintrag in die Lebensmittelkette führen.

    Risiko Biogasanlagen? In Teil 2 des Berichtes wird über "Mikrobiologisches Risikopotenzial von Biogasanlagen unter besonderer Berücksichtigung von Hühnertrockenkot als Gärsubstrat" berichtet. Diese Problematik wurde unabhängig von den untersuchten Betrieben durchgeführt. Es wurden Proben von 10 niedersächsischen Biogasanlagen durch das 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe genommen und an ein anderes Untersuchungslabor als die Rinderproben der Studie geschickt.

    - Verwertbare technische Angaben zu den Biogasanlagen und den untersuchten Proben fehlen völlig.
    - Die Auswahlkriterien für die Betriebe sind nicht angegeben.
    - Um eine statistisch verlässliche Aussage zu treffen, müssten von den etwa 1500 niedersächsischen Biogasanlagen bei nur 1% positiver Betriebe 271 Anlagen zufällig ausgewählt und überprüft werden.
    - Laut DFG Merkblatt 396 sind je nach Anlagengröße 12-30 Einzelproben zu nehmen und dann entsprechend zu mischen um statistisch aussagefähige Proben zu erhalten.
    - Bei einer durchschnittlichen hydraulischen Verweilzeit von mindestens zwei Monaten sind vier Proben an hintereinander liegenden Tagen als Einzelprobe anzusehen.

    Statistisch handelt es sich hier um Ergebnisse von Einzelproben, deren Beschaffenheit im Einzelnen nicht erfasst wurde.

    - Das Eingangsmaterial wurde nicht auf C. botulinum untersucht. Die Nachweisverfahren sind teilweise für C. botulinum nicht geeignet.

    - In den Ergebnistabellen wird dargestellt, dass bei Anlagen mit Hühnerkotverwertung im Substrat 80 %, im Gärrest 100 % der Proben positiv auf den Krankheitserreger Clostridium perfringens sind. Bei Betrachtung aller Anlagen sind es 80 bzw. 95 % für C. perfringens, und 2,5 bzw. 5 % für den Krankheitserreger Clostridium tetani.

    Die verallgemeinernde Behauptung, dass durch die durchgeführte Studie nunmehr erneut bestätigt sei, dass ein mikrobiologisches Risikopotenzial von Biogasanlagen nicht abzuleiten sei, und dass sich auch keine Hinweise für die Anreicherung von potenziell pathogenen Keimen während des Fermentationsprozesses ergeben haben, ist somit eindeutig falsch.

    Prof. Dr. Dr. Helge Böhnel, Göttingen; Prof. Dr. Monika Krüger, Leipzig; Prof. Karl-Hans Zessin, Berlin

    Gerne laden wir Sie zur Diskussion ein. Schreiben Sie an info@ava1.de

    Zur Information: Die Agrar- und Veterinär- Akademie (AVA) mit Sitz im münsterländischen Horstmar-Leer, konnte im Jahr 2013 erneut über 5000 Fachleute in ihren Fortbildungsveranstaltungen begrüßen.
    Eine eigene Fachzeitschrift (NUTZTIERPRAXIS AKTUELL (NPA) mit einer Auflage von über 5000 Exemplaren informiert aktuell über moderne Nutztiermedizin und Landwirtschaft unter den Aspekten der Präventivmedizin u.a. zur Reduktion von Antibiotika in der Tierproduktion.

    Die AVA ist eine Fortbildungsgesellschaft mit dem Ziel der Aus- und Weiterbildung und der Verteilung von Informationen für den landwirtschaftlichen und tiermedizinischen Bereich. Gleichzeitig ist die AVA ein Forum für Landwirte und Tierärzte, das die Herausforderungen der Produktion gesunder Nahrungsmittel in den nächsten Jahrzehnten in den Blick nimmt.

    »Ziel der Agrar- und Veterinär-Akademie ist es, die Probleme der modernen, nachhaltigen Landwirtschaft und Tierhaltung zu erörtern. Wir wollen gemeinsam Wege finden, um tiergerecht, praxisbezogen und verbraucherorientiert zu arbeiten.«
    Ernst-Günther Hellwig, Gründer und Leiter der AVA, Horstmar-Leer

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