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    Ärztliche Suizidassistenz: „Medizinischer oder rechtsethischer Supergau?“

    Experten haben auf einer Diskussionsveranstaltung zum Thema Sterbehilfe die Einführung auf das Recht zur ärztlichen Mithilfe bei einem Patienten abgelehnt (vgl. dazu Evangelischer Pressedienst v. 07.05.12 >>> http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-west/schwerpunktartikel/pall... <<<)

    Dass der Palliativmediziner Raymond Voltz gegenüber der ärztlichen Suizidassistenz kritisch eingestellt ist, verwundert nicht so sehr wie der Hinweis in dem o.a. Bericht darauf, dass auch der Bonner Strafrechtler Prof. Dr. jur. Verrel sich gegen ein gegen ein Recht auf ärztlich assistierte Selbsttötung ausgesprochen habe.

    Dies deshalb, weil seine bisherigen Beiträge zur Sterbehilfeproblematik darauf schließen lassen, dass eine Liberalisierung gerade auch des ärztlichen Standesrechts wünschenswert sei.
    Ausweislich der o.a Mitteilung hält Thorsten Verrel die Vorstellung, ärztliche Mithilfe bei der Patiententötung etwa als privat abzurechnende Leistung in der ambulanten Praxis zuzulassen, als „medizinischen Supergau“.

    Ob er damit insgesamt die ärztliche Suizidassistenz für einen „medizinischen Supergau“ bewertet, würde ich doch einstweilen noch angesichts seiner bisherigen Statements in der Sterbehilfe-Debatte bezweifeln wollen, zumal in der obigen Pressemitteilung darauf verwiesen wird, dass er einräumte, „dass eine Patientenverfügung juristisch nicht bindend sei und es nach wie vor Gewissenskonflikte beim Mediziner gebe.“

    Selbstverständlich ist eine Patientenverfügung rechtlich bindend und dass es Gewissenskonflikte bei den Ärztinnen und Ärzten gibt, dürfte hinreichend bekannt sein. Diese Gewissenskonflikte werden allerdings auch durch die jüngst abgeänderte Musterberufsordnung für die deutsche Ärzteschaft heraufbeschworen, da hier ein ethisches Zwangsdiktat in § 16 MBO-Ä verabschiedet und von einigen Landesärztekammer übernommen worden ist.

    Hier scheint Klärungsbedarf gegeben und sofern sich die Pressemitteilung im Kern als zutreffend erweisen sollte, bahnt sich hier ein „rechtsethischer Supergau“ an: es liefe dann auf eine Aushöhlung des Selbstbestimmungsrechts der schwersterkrankten und sterbenden Menschen und dem Grundrecht der ärztlichen Gewissensfreiheit hinaus.
    Mir fällt es einstweilen schwer, zu glauben, dass dies von Thorsten Verrel so gewollt resp. gemeint war.

    Immerhin steht Thorsten Verrel im Diskurs über die Sterbehilfe für eine Position, die nach differenzierenden Lösungen strebt, wie sich unschwer aus seinem Tagungsbeitrag „Sterbehilfe in den Niederlanden – Beurteilung nach deutscher Rechtslage“ aus 2011 ergibt (vgl. dazu Verrel, in Selbstbestimmung am Lebensende Nachdenken über assistierten Suizid und aktive Sterbehilfe, Hrsg. von Heinrich-Böll-Stiftung 2012).
    Auch er hält das auf dem 114. Deutschen Ärztetag beschlossene Verbot der ärztlichen Suizidassistenz für undifferenziert und er weist in diesem Zusammenhang stehend völlig zu Recht darauf hin, dass dieses Verbot in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den kurz zuvor überarbeiteten Grundsätze der BÄK zur ärztlichen Sterbebegleitung steht.
    Weiter führt er aus:

    „Diese von manchen als pauschale Freigabe des ärztlich assistierten Suizids missverstandene Änderung macht einerseits deutlich, dass die Mitwirkung von Ärzten an Patientensuiziden nach wie vor nicht in den ärztlichen Leistungskatalog gehört, von Patienten nicht eingefordert und von keinem Arzt geleistet werden muss. Doch enthalten sich die Grundsätze nunmehr einer pauschalen negativen ethischen Bewertung, wenn Ärzte in besonders gelagerten Fällen, in denen keine andere Form erlaubter Sterbehilfe greift und auch die palliativmedizinische Versorgung für den Patenten keine Alternative ist, als Ultima Ratio bei der Umsetzung eines nachvollziehbaren Selbsttötungswunsches Bestand leisten. Mit der gegenläufigen Verschärfung der Musterberufsordnung wird jetzt wieder ein Weg beschritten, der Ärzten den Zugang zu suizidgefährdeten Patienten versperren, diese in die Arme zweifelhafter Sterbehilfeorganisationen treiben und damit letztlich Chancen der Suizidverhinderung vergeben könnte.“ (Verrel, aaO., S. 112).

    M.E. ist allein in der Verschärfung der ärztlichen Musterberufsordnung ein rechts-, aber eben auch ein medizinethischer „Supergau“ zu erblicken, wird doch das individuelle ärztliche Gewissen zugunsten einer Standesethik gebeugt, die ihrerseits selbst zur Diskussion steht.
    Nicht wenige Mediziner und Ethiker rügen den medizinethischen Neopaternalismus der BÄK und kritisieren die „ethische Basta-Politik“, zumal im Kern die Frage noch offen zu sein scheint, ob in besonders gelagerten Einzelfällen es nicht gar ein ethisches Gebot sei, bei einem frei verantwortlichen Suizid zu assistieren.

    Lutz Barth
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    IQB – Medizin- &. Pflegerecht - Lutz Barth
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